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Resilienz: Die psychische Rüstung gegen Stress

Heutzutage stellt die sich rasch verändernde Arbeitswelt uns alle vor Herausforderungen, die größer statt kleiner zu werden scheinen. Viele empfinden den beruflichen Alltag als unberechenbarer und damit belastender infolge ständiger Flexibilisierung der Arbeit. Immer seltener ist die Karriere planbar und sicher und immer größer werden die Anforderungen, die an den modernen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerin gestellt werden. Das Phänomen kann gut mit dem Begriff „Gleichzeitigkeit“ erfasst werden; denn die anderen Lebensbereiche laufen parallel und sind womöglich ebenfalls betroffen.

Die Folge: ein starker Anstieg psychischer Krankheiten, die auf zu große Belastungen bzw. Stress zurückzuführen sind. Hier ist wichtig festzuhalten, dass das eben genau nicht bedeutet, jemand schaffe etwas nicht oder sei zu wenig leistungsfähig. Der Anstieg dieser Befunde – und es ist nur die registrierte Anzahl – zeigt zunächst mal eine Auswirkung des Anpassungsdrucks an. Nicht mehr und nicht weniger.

Da wären beispielsweise das Burnout-Syndrom, Depressionen oder Panikstörungen. Dennoch können wir beobachten, dass der Dauerstress von manchen deutlich besser aufgenommen wird, als von anderen. Für diese Individuen ist Stress wie Zunder und sie funktionieren ohne einen gewissen Druck überhaupt nicht. Diese interindividuell variierende Eigenschaft, Stress und Belastungen zu verarbeiten, ohne davon nennenswerte schädigende Folgen davon zu tragen, nennen wir im Fachkontext Resilienz.

Ursprünglich wurde der Begriff von Jack Block in der 50er Jahren als „Ego-Resilience“ in die Psychologie eingeführt und zuerst verstärkt an Kindern untersucht. In einer groß angelegten Studie der Entwicklungspsychologin Emmy Werner mit über 700 Kindern aus prekären Lebensverhältnissen zeigte sich, dass ein Drittel dieser Kinder trotz ungünstiger Startbedingungen zu kompetenten Erwachsenen reiften. Die naheliegende Schlussfolgerung: Resilienz scheint erlernbar zu sein! Sie entsteht durch die Auseinandersetzung mit herausfordernden Lebenssituationen, die dann positiv durch das Individuum bewältigt werden. Allerdings ist die Resilienz zu einem Teil auch genetisch bestimmt. Es gibt also Menschen, die schon resilienter geboren wurden. Dennoch hat sich herausgestellt, dass Resilienz in allen Lebensabschnitten trainierbar ist.

Gunkel, Böhm & Tannheimer (2014) identifizieren in der Literatur vier zentrale Faktoren der Resilienz:

• Soziale Unterstützung: Das Ausmaß, in dem ein Mensch durch sein soziales Umfeld Unterstützung bei der Bewältigung von Krisen erfährt, z.B. durch die Familie oder durch Freunde
• Selbstwirksamkeit: Die subjektive Erwartung, Anforderungen und Herausforderungen mit eigener Kraft bewältigen zu können.
• Kohärenzgefühl: Das übergreifende Gefühl, sich in der richtigen Umgebung und Situation zu befinden. Aufgaben werden verstanden, als sinnvoll und als zu bewältigen empfunden.
• Aktives Coping: Aktive und problemorientierte Bewältigungsstrategien werden verfolgt. Es wird selbstverantwortlich nach einer Lösung gesucht und die Situation als Herausforderung und nicht als Belastung interpretiert.

Wir stellen fest: Resilienz ist ein komplexes Konstrukt. Wie erreiche ich aber nun für mich persönlich eine Steigerung meiner Resilienz? Ein paar einfache Strategien möchten wir Ihnen heute vorstellen:

Nicht alle der vier Faktoren der Resilienz können Sie selbst beeinflussen. Der Grad der sozialen Unterstützung durch den Arbeitgeber oder das nahe Umfeld lässt sich nicht so einfach steuern. Auch das Kohärenzgefühl kann nur eingeschränkt über eine eigene Einstellungsänderung beeinflusst werden, hängt aber viel von der Beschaffenheit des Arbeitsplatzes und der Aufgaben ab. Doch Selbstwirksamkeit und aktives Coping lassen sich sehr wohl gut im Alleingang trainieren. Reflektieren Sie einmal Ihre üblichen Bewältigungsstrategien: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mit einem Problem konfrontiert werden? Wie gehen Sie an das Problem heran? Fragen Sie erst nach Rat oder versuchen Sie, das Problem selbst anzugehen und eine Lösung zu finden. Coping ist zuallererst einmal Einstellungssache. Trainieren Sie Ihre eigene Achtsamkeit für herausfordernde Situationen, um diese zu erkennen, und versuchen Sie dann, Ihre Einstellung zu einer solchen Situation gezielt zu steuern. Verstehen Sie ein Problem nicht als drückende Last, sondern als Rätsel, das Sie lösen müssen, um weiterzukommen und passen dann Ihre mentalen Strategien daran an. Sie werden sehen, dass im selben Zug auch Ihre Selbstwirksamkeitserwartungen steigen werden! Machen Sie positive Erfahrungen in der Bewältigung von Aufgaben und Problemen, gehen Sie in Zukunft automatisch eher davon aus, erfolgreich zu sein.

Sie bemerken: Resilienz spielt sich viel im Kopf ab. Sie steht und fällt mit persönlichen Einstellungen und Erwartungen und lässt sich so wunderbar positiv beeinflussen. Trauen Sie sich! Gehen Sie mit einfachen Denkveränderungen resilienter in die Zukunft!

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