Mental Make-Up

Neulich in der Seminargruppe ...

Präsentationstraining

Stellen Sie sich vor, es ist Präsentationstraining und alle wissen schon, wie es geht! Frei nach dem Motto: ›Kann man ja immer mal machen …‹ und ›Ist in der täglichen Arbeit ja wirklich nützlich …‹ Ist da was dran?

Rein subjektiv habe ich den Eindruck, dass die schiere Menge an Angeboten am Markt und der Zeitraum in dem das Thema inzwischen besetzt ist eine gewisse Sättigung anzeigen. Jeder hat gefühlt schon mindestens ein Buch gelesen, unlängst bei TED eine mitreißende Rede gesehen und die Beiträge des eigenen Vorgesetzten, nun ja, seine oder ihre Stärken liegen wohl eher im Analytischen. Was mich selbst nach wie vor mit größter Begeisterung zu diesem Thema arbeiten lässt ist der Zugriff über die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die heute vor Gruppen stehen und vortragen oder präsentieren. Ich kann derzeit nicht erkennen, dass die von mir vermutete Sättigung hilfreich dazu beigetragen hat, dass Präsentierende a) authentisch auftreten, b) eine klar erkennbare Einstellung zu Thema und Publikum kommunizieren die sich zudem günstig auf ihr Anliegen auswirkt und c) einen messbaren Nutzen für die Zuhörerschaft kreieren.
Damit habe ich meine Ansprüche und Erwartungen an einen wirksamen mündlichen Beitrag offen gelegt, der in meinem Augen einen riesigen Gestaltungsspielraum jenseits von ›Steh’ bitte gerade!‹ und ›Bitte setz’ Gestik zur Unterstützung des Gesagten ein!‹ für uns alle offenlässt.

Die Frage nach dem eigenen Gestaltungsspielraum lädt uns zu diesen Fragen ein:

  1. Wie möchte ich mich eigentlich zeigen? Wie möchte ich von den anderen gesehen werden?
  2. Wie geht es mir gefühlsmäßig beim Präsentieren? Was macht das mit mir? Welche Gefühlsamplitude erlebe ich bei mir?
  3. Welche Einstellung habe ich zu meinem Thema, auch wenn ich womöglich schon Dutzende Male zu diesem Thema gesprochen habe?
  4. Welche Einstellung habe ich zu den Menschen, die mir durch das Zuhören einen Teil Ihrer Zeit und Aufmerksamkeit zuteil werden lasse?

Drittens und viertens sind Bereiche, deren Funktionieren wir wirksam durch Feedback messen können: Merkt man uns das auch an? Viele Teilnehmer berichten von Mailfluten quer über die Abteilungsflure, über Messenger-Funktionen in der Organisation der Familie. Gerade weil sich heute eine gefühlt steigende Anzahl von vormals mündlichen Kommunikationsprozessen digital vollzieht, sind wir meiner Auffassung nach besonders stark gefordert, wenn es doch echte Menschen sind, die an unseren Lippen hängen und deren Aufmerksamkeitsspanne auch nach 7 Minuten noch günstig beeinflusst werden möchte. Kurzum: Die Befassung mit Präsentationstechnik springt für mich zu kurz, wenn sie in eine Checkliste mit Modalverben mündet à la ›man soll … man soll nicht …‹
Sie bietet auch den erfahrenen Rednerinnen und Rednern eine verlässliche Methode, der Wirksamkeit des eigenen Tuns auf sie Spur zu kommen und neue Verhaltensweisen in die eigene Verhaltensklaviatur dort zu integrieren, wo sich der Anspruch an uns selbst oder das externe Umfeld ändern und neue Erwartungen die Folge sind. Mithilfe der vier Fragen ist das Sich-Ausrichten nicht nur vor, sondern auch während und nach einer Präsentation nützlich.

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