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Das Wispern im Winde: Gerüchte im Arbeitsleben

„Hast du eigentlich schon gehört, dass der Herr X und die Frau Y ja jetzt zusammen sein sollen? Bestimmt hat die nur deshalb den neuen Posten als Abteilungsleiterin bekommen, an ihren Fähigkeiten liegt es ja bestimmt nicht!“
So oder so ähnlich klingen Gerüchte und Hörensagen überall auf der Welt, wenn Menschen zusammentreffen und Konkurrenz um knappe Ressourcen entsteht. Gerüchte sind unangenehm, vor allem für denjenigen, um die sie sich drehen. Aber welche Mechanismen laufen bei der Verbreitung von Gerüchten eigentlich ab? Und vor allem: Was kann man dagegen tun? Oder müssen wir letztendlich einfach akzeptieren, dass eben kleine Geschichtchen über uns von einem Ohr zum nächsten fliegen?

Zuerst ist es wichtig, zu verstehen, dass ein Gerücht niemals alleine existieren kann: Es steht immer in Konkurrenz zu den offiziell verbreiteten Informationen, z.B. durch die Geschäftsleitung. Oft halten diese Quellen Informationen aus den verschiedensten Motiven zurück. Stellen Sie sich vor, es würden beispielsweise Entlassungswellen anstehen, aber niemand wüsste genau, welche Abteilungen in welchem Umfang betroffen sein werden. Das ist ein idealer Nährboden für die vielfältigsten Gerüchte! „Weißt du, ich habe gehört, es soll vor allem die F&E-Abteilung treffen. Da werden bestimmt 50 Leute abgebaut, die haben in letzter Zeit aber auch wirklich kaum Ergebnisse geliefert!“ Feldstudien haben gezeigt, dass vor allem in den ersten Phasen der Verbreitung eines Gerüchtes maßlos übertrieben wird: Jedes Detail wird ausgeschmückt, jede Zahl aufgepumpt und jede Konsequenz intensiviert. In unserem Beispiel könnte man hierfür die Zahl der Mitarbeiter anführen. Vielleicht hat die F&E-Abteilung des Unternehmens nur etwa 150 Mitarbeiter. Wenn dann ein Drittel abgebaut werden würde, wäre das schon eine Bombeninformation! Und da liegt des Pudels Kern: Verbreiter von Gerüchten wollen ihre Zuhörer überzeugen. Sie wollen, dass man ihnen glaubt!

Warum aber entstehen Gerüchte überhaupt? Dies hat einen psychologischen Hintergrund: Menschen die Gerüchte verbreiten, sind meistens großer Angst oder Stress ausgesetzt, wenn ihnen Informationen fehlen und sie diese nicht bekommen können, z.B. wenn die Geschäftsleitung schweigt. Deswegen suchen sie nach Informationen und Alternativerklärungen für ihre emotionalen Zustände. Das führt dann zur Verbreitung von Gerüchten, vor allem mit negativer Valenz. In einer Studie von Bordia et al. (2006) wurden fünf Typen von Gerüchten innerhalb eines Krankenhauses in einem Wandlungsprozess identifiziert. Schauen Sie sich einmal die Themen an, die dort vorherrschten: Die Änderungen der Arbeitsbedingungen, die Ursachen des Wandels, das schlechte Management des Wandels, die Konsequenzen für die Leistung der Organisation und leeres „Geschwätz“. Bis auf den letzten Punkt haben alle Themen damit zu tun, dass Menschen innerhalb der Organisation nicht oder schlecht informiert wurden. Und je mehr Gerüchte entstehen und im Umlauf bleiben, desto eher wird das Vertrauen in eine Institution letztlich sinken.

Nun aber zur Preisfrage: Wie vermeiden Sie Gerüchte? Die Antwort darauf fällt dieses Mal überraschend leicht: Unternehmen, Familien, Teams, wohltätige Organisationen – also alle Arten von Gruppen, in denen Menschen aufeinander treffen – vermeiden die Entstehung von Gerüchten durch offene, ehrliche, transparente Kommunikation. Informiert ein Unternehmen seine Mitarbeiter umfassend, glaubwürdig und auch regelmäßig über Veränderungsprozesse, Führungsentscheidungen oder die Situation am Markt, so werden – bis auf den unvermeidbaren Schwatz – deutlich weniger Gerüchte entstehen. Auch hier finden wir wieder ein Beispiel dafür, wie wirksame Kommunikation mit ganz einfachen Mitteln gelingen kann und zu einer nachhaltig besseren Stimmung beiträgt. Und was passiert mit dem Schwatz? Ruhig bleiben ist hier die Devise, denn wir werden es nicht verhindern können, dass nicht manchmal auch völlig ohne Grund Gerüchte entstehen. Lächeln Sie und denken sich: Ein leicht mysteriös anmutendes Image hat noch niemandem geschadet!

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